Neuere Erkenntnisse zur Domestikation des Huhnes und seine aktuelle Nutzung aus globaler und nationaler Sicht

Autor/innen

  • Wilfried Brade Tierärztliche Hochschule (TiHo) Hannover

DOI:

https://doi.org/10.12767/5kkq9684

Abstract

Zusammenfassung

Das Huhn ist zahlenmäßig die wichtigste Nutztierart weltweit. Über alle Kulturen, Religionen oder Gesellschaften hinweg werden Hühner - im Vergleich zu anderen Haustieren (z.B. Schweine) - mit wenig oder gar keinem Tabu akzeptiert. Seine hohe Anpassungsfähigkeit an verschiedene Umwelten und die realisierten züchterischen Veränderungen in ausgewählten kommerziellen Hühnerpopulationen sowohl in der Mast- als auch Legerichtung stellen eine breit gefächerte genetische Ressource zur globalen Ernährungssicherung dar. Neuere molekulargenetische Studien identifizierten die Unterart Gallus gallus spadiceus als den wahrscheinlichsten Vorfahren aller modernen Haushühner. Gleichzeitig legen jüngste DNA-Studien nahe, dass der Domestikationsprozess von Hühnern in Südostasien begann. Zusätzlich dürften nachfolgende Hybridisierungsepisoden mit weiteren Unterarten von Gallus gallus zur Vielfalt des heutigen Haushuhnes beigetragen haben. Die moderne, industriell organisierte Geflügelwirtschaft basiert vorzugsweise auf der Verwendung von Getreide als Hauptfuttermittel. Obwohl das Geflügel damit scheinbar als Nahrungskonkurrent zum Menschen auftritt, ermöglichen oft nur diese Tierarten - selbst unter extremen Ernährungsbedingungen in den großen, urbanen Zentren der Entwicklungsländer - die Erzeugung notwendiger Mengen von Lebensmittel tierischer Herkunft vor Ort. Die bemerkenswerte Effizienz sowohl der Eier- als auch Broilererzeugung vergleichsweise gegenüber der Rindfleisch- oder Schweinefleischerzeugung ist zusätzlich anzuerkennen. Die Züchtung von spezialisierten Legehuhn- bzw. Masthuhnlinien für die kommerzielle Eier- bzw. Broilerindustrie konzentriert sich zunehmend auf ausgewogenere Zuchtziele (= balanced breeding goals). Um die enorme Biodiversität in der Hühnerzucht zu erhalten, ist die Erhaltungszucht von (alten) Hühnerrassen wünschenswert. Die Zuchtarbeit wird diesbezüglich vorrangig von Hobbyzüchtern geleistet. Wirtschaftlich spielen Rassehühner in Deutschland jedoch so gut wie keine Rolle mehr. Westeuropa erlebte im Herbst 2025 eine der schwersten Tierseuchenwellen mit Aviären Influenza-Viren der vergangenen Jahre. Vogelgrippe ist für Hausgeflügel hochansteckend und verläuft mit schweren allgemeinen Krankheitszeichen. Neben zahlreichen Vogelgrippen-Ausbrüchen sind seit dem Frühjahr 2026 zusätzlich auch wieder Fälle der Newcastle-Krankheit (ND) in kommerziellen Geflügelbeständen und Kleinhaltungen in Deutschland festgestellt worden. Effektive Biosicherheitsmaßnahmen bleiben deshalb auch zukünftig von zentraler Bedeutung, um die Verbreitung von Tierseuchen in Nutztierbeständen zu verhindern und eine stabile Versorgung mit Geflügelprodukten sicherzustellen.

Autor/innen-Biografie

  • Wilfried Brade, Tierärztliche Hochschule (TiHo) Hannover
    Hochschullehrer, Professor für Tierzucht an der TiHo Hannover

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Veröffentlicht

2026-09-22